Samstag, 8. März 2008

messias

human resources. ist eh schon eine prima bezeichnung. humankapital. humanrohstoff. kann gefoerdert werden wie oel und gas. kann auch verbraucht werden wie selbiges. klar, dass personalabteilungen neudeutsch umfirmiert werden mussten. personal klingt doch was zu persoenlich. da koennte man auf den gedanken kommen, dass firmen heutzutage noch beziehungen zu ihren angestellten pflegen. na, nein, so geht das ja nun nicht. obsolete loyalitaet gegen moderne unverbindlichkeit. da weiss man doch eher, was man (nicht) hat.

ja und nun dieser o-ton eines hr-managers (ueber diese spezies wurde schon a.a.o. geschrieben) zur frage, ob man bei den jaehrlichen zielvereinbarungen nicht lieber "soft skills" bzw. kopfnotenqualifikationen zugunsten von konkreten zielen aussen vor lassen sollte. aussage: neinein. das haette schon seine richtigkeit. man mache sich ja gar keine vorstellung, was alles messbar waere.

klein theo wurde an diesem punkt nach anfaenglichem amuesemang ueber die putzigkeit der naiven sozialspielchen vor schreck ganz kalt. das war entweder geschmacklos uebertriebene satire, oder es ist wirklich wahr, dass die berufswelt langsam von soziopsychologisch ausgeruesteten bwl-zombies querstrich betriebswirtschaftlich aufgeruesteten sozialpsychologen durchseucht wird. was sagen wir: aufgerollt wird. alles wird neu. die kopfnoten kehren wieder. und diesmal in statistisch und oekonomisch auswertbarer form. menschenfuehrung per psychologischem nasenring.

da passt es doch hervorragend, dass allenthalben geisteswissenschaften und kunst evaluierbar gebogen werden - was sich nicht mehr in eine zahl pressen laesst, besitzt keinen marktwert. klare sache. fragt sich, wer solchen markt will.

an diesem punkt sei vielleicht das goetz-wernersche buch empfohlen. nicht wegen des grundeinkommens (das klein theo auch nicht barsch ablehnen wuerde). sondern weil hier zeitgemaess deutlich darauf hingewiesen wird, das zwischen dingen/maschinen und menschen immer noch unleugbare unterschiede bestehen.

Freitag, 7. März 2008

ein kleines gebet fuer den grimmen germanen

lieber gott
du weisst, ich habe mich jetzt schon laenger nicht mehr gemeldet - tut mir echt leid, trabbel in der beziehung, arbeitsstress hie vergnuegungspflicht mit abschussgarantie da, du weisst, wie das heute ist. ich meine, schau mal, meine steuerunterlagen liegen schon deutlich laenger auf halde als unsere letzte kontaktaufnahme, und im kuechenausguss habe ich heute morgen kollektive bewegung bemerkt: was kannst du da realistisch an kontinuitaet erwarten, sag selber.

lieber gott, heute habe ich ein besonderes anliegen. es mag seltsam anmuten, aber, bitte, lieber gott - gib uns den humorlosen, prinzipienreiterischen, peniblen, unangenehmen, den autoritaeren (meinetwegen), den gruendlichen, den zuweilen boesartigen, aber grundgebildeten deutschen wieder. nicht durch die bank, nur ein paar mehr, ein paar wenige. an schluesselstellen. fang zur fingeruebung mit dem fernsehen oder ueberhaupt den wort+bildmedien an. du weisst schon, welchen typus ich meine, nicht? ich kann die beschreibung auch verknappen: gib uns ein paar von den nicht-lockeren deutschen zurueck. den vorweltmeisterschafts-stereotyp.

gib uns die zurueck, die lockerheit nicht mit hoeflichkeit verwechseln.
gib uns die zurueck, die service nicht mit dienstleistung verwechseln.
gib uns die zurueck, die noch nach einem sinnvollen system schreiben konnten - wenn's sein muss, auch in sueterlin.
gib uns die zurueck, die kolonnen von zahlen nicht mit wichtigen fakten verwechselten.
gib uns die zurueck, die entertainment nicht mit information verwechselten.
gib uns aufklaerer statt weichspueler.
gib uns die zurueck, denen die quote an den richtigen stellen scheissegal ist.
gib uns die zurueck, die nachhaken, statt einzuknicken.
gib uns die zurueck, die noch nicht die kombischere im kopf eingebaut haben.
gib uns die zurueck, die noch reparieren koennen statt auszutauschen.
gib uns die zurueck, die lakonisch oder schweigsam sind, statt uns in wortflut ersaufen zu lassen.
gib uns die zurueck, die wissen, wie fleisch eigentlich aussieht und schmeckt.
(wenn du schon dabei bist: auch die, die sich mit aepfeln auskennen)
gib uns die zurueck, die geistige agilitaet vor kilometerfressende mobilitaet setzen.
gib uns menschen, die wenigsten einmal pro monat ein gebundenes buch lesen.
gib uns heiss liebende und dunkel grollende.
gib uns unternehmer statt manager.
gib uns handarbeiter statt betriebswirtschaftler.
gib uns die nicht-wiederkaeuer, die einsichtigen, die versteher.
gib uns die zurueck, die unter kochen noch mehr als ritschratsch-mikrowelle verstehen.
gib uns langsame, maulige, meinetwegen unangenehme typen. aber gib uns typen, die stellung beziehen, zu denen man stellung beziehen kann. aber gib uns menschen von substanz.

eine freundin sagte mir nach ihrem einjaehrigen aufenthalt in den niederlanden: die sind schon froehlich und locker. aber eher aus desinteresse.
und das ueber niederlaender und noch nicht einmal ueber us-amerikaner!

lieber gott. ich glaube, du weisst, worauf ich hinaus will. waere toll, wenn du mal nachschauen koenntest. echt.
ich muss jetzt los. sorry.

aeh.

amen.

Donnerstag, 6. März 2008

bildungsabschuss

[] x : ...war ich gestern abend leider allein zur batchelor-party von z und der hat krasse Wodka-orange gemixt
...
[13:57:13] y : bachelorparties = feiern vor der hochzeit?
...
[13:58:54] x : nee das is doch heut zutage nich mehr 9 semester und dann diplom sondern 6 semester dann bachelor und nochmal 4 semester dann master. der hatte gestern verteidigung
...
[13:59:22] y : axooo
[13:59:40] y : bachelor. der "nicht"abschluss"abschluss"
[13:59:42] y : quasi
[14:01:03] x : ...ja ist halt son 2/3 diplom und eigentlich abschluss da fürn master krasse zugangsbeschränkungen gelten
[14:01:59] y : ja, man merkt schon, diese reformen haben eigentlich >nur< gutes gebracht.
[14:02:52] y : mit bachelor konntest du schon vormals in england eigentlich bloss die phase vor dem knechtdasein in der allzweckindustrie vertroedeln.
...
[14:03:05] x : ja >ausschließlich<! würde ich sagen
[14:03:47] y : richtig! heil, preis und lob den bildunxbohliddiggernemirauchnocheinnnn
[14:04:06] y : what did they drink...
...
[14:10:55] x : ja und jetzt müssen die kleinen in kürzerer zeit genausoviel saufen damit sie mithalten können auf dem arbeitsmarkt

Donnerstag, 28. Februar 2008

ice - service fuer alle

"guten tag, mein name ist kevin-florian adolf gurkenbauer, ich moechte sie auch im namen meiner gang auf dem nebengleis behelfsbahnhof auf der teilstillgelegten strecke von a nach b herzlich begruessen und wuensche ihnen einen unvergesslichen aufenthalt. im linken teil des bahnsteigs befindet sich kein unterstand, wo sie meine freunde gerne erwarten. waehlen sie aus einem reichhaltigen angebot an kopfnuessen, dosenbieren und essig-isses-mit-der-bahn, dazu wahlweise deftige ruehr-, spiegel- oder poebel-eien. ein hinweis an reisende: dieser ort ist zuschlagpflichtig. reisende ohne triftigen grund sollten jetzt den mit "ausser betrieb" gekennzeichneten automaten aufsuchen.
um ihnen den aufenthalt an bord dieser brachflaeche so angenehm wie moeglich zu gestalten, wurde auf die installation von stoerenden sitzgelegenheiten verzichtet. fuer auskuenfte und ratschlaege bemuehen sie bitte die zusammengefaltete bild, die sie an ihrem standplatz im ueberquellenden muelleimer finden oder wenden sie sich vertrauensvoll an den vorwendezeiten-fahrplan an der abbruchmauer des ehemaligen bahnhofsgebaeudes. fuer weitere bemuehungen draengen wir uns auch gerne an ihre seite. wir wuenschen ihnen eine unvergessliche zwangspause in der mitte von nirgendwo und sind uns sicher, dass sie auch in zukunft aus purer not deutsche bahn waehlen."

Mittwoch, 27. Februar 2008

DB ddhkp

xburg, bahnhof, 8.14: durchsage am bahnsteig: der "regionalexpress abc123 wird auf grund technischer schwierigkeiten ca. 5 min. spaeter hier eintreffen. wir bitten um verstaendnis" (na, immerhin danken sie einem nicht mehr fuer das durchaus nicht vorhandene)

xburg, bahnhof 8.20: der zug faehrt ein, massen waelzen sich heraus, groessere massen hinein.

xburg, bahnhof, 8.24: durchsage im zug: "bitte beachten sie die folgende mitteilung" (d.h. nicht die vorherige!): "die weiterfahrt dieses zuges wird sich aufgrund technischer probleme etwas verzoegern" (nein, keine zeitangaben, man will ja niemand kopfscheu machen)

xburg, bahnhof, 8.35: weitere zugdurchsage: "bitte beachten sie die folgende mitteilung" (sehr umsichtig, sonst haette u.u. jemand die von vorgestern beachtet): "die lok ist tot. es lebe die lok. bitte alles aussteigen. ich wiederhole..."

xburg, bahnhof, 8.40: ansatz einer durchsage: "willlllkommen am bahnhof xburg >knacks<". irgendjemand hat rechtzeitig gemerkt, dass es wohl nicht das richtige band war.

xburg, bahnhof, 8.44: die halbmechanische zuglaufanzeige klappert beflissen unentwegt vor sich hin und zeigt interessant geschriebene reiseziele, die vermutlich auf den kleineren saturnmonden liegen. bekannte ortschaften werden nicht mehr angefahren. auf etlichen zeilen macht sich der (korrekt geschriebene) hinweis "spaeter" breit.
henuyf

xburg, bahnhof, 8.45: es werden an mordbereite einzelne fahrgaeste zettel mit stempel und einer aufschrift wie "oops, we did it again" ausgegeben. warum nichts durchgesagt wuerde? "es geht gerade nichts", warum der tote zug nicht wegbewegt wuerde? "geht nicht", warum der nachfolge und rettungsbringende zug nicht auf einem anderen gleis einfahren koennte: "das gleis ist blockiert. fahren sie doch mit dem bus". aha. und mit welchem? "keine ahnung, schauen sie draussen nach". danke, das tat gut.

xburg, bahnhof, 8:51: der bus nach ydorf setzt sich ueberladen in bewegung und wird auf kuerzester strecke die nunmehr aufgelaufene verspaetung auf 50 minuten aufstocken helfen. am gleis steht unverwandt der regionalabszess.

11833, da werden sie verladen

wer an oeffentlichen fernsprechern das pech hat, sich zufaellig nicht an die gewuenschte nummer zu erinnern, der hat 2 moeglichkeiten:
  1. feststellen, dass es keine oeffentlichen telefonbuecher mehr gibt
  2. sein letztes kleingeld bei der auskunft abzugeben
1,20 Euro (in Worten: EIN Euro ZWANZIG) kostet die anfrage bei 11833 mittlerweile.
ist es da nicht ein hohn, dass man fuer dieses geld (was, wie gesagt, das letzte sein kann) als herausragenden "service" 10 sekunden sossig-sonniges vorgesaeusel der art: "deutsche telekom, annemie popmich, was kann ich fuer sie tuuuuuun??" bekommt? ja, - was denkt ihr denn, fuer welche dienstleistung ich gerade dabei bin mein teures geld zu verpulfern? kuchenbacken? auf einem bein rueckwaertszaehlen??
telekom, so muesste die konsequente frage danach lauten, sagt mir, habt ihr eigentlich noch alle murmeln beisammen?!

hat man dann seine auskunft abbekommen, steht man leicht komplett aufgeschmissen da, falls im portemonnaie eben nur noch 1,20 klein waren - ein betrag mit dem man -immerhin!- gut und gerne 1 minute mit dem eigentlichen mitteilungsempfaenger haette reden koennen. grosszuegigkeit war ja schon immer ein herausragendes merkmal der ekeltom. ja, und der gerechtigkeit halber muss man sagen: man darf sich ja auch vor inanspruchnahme des "services" ueber eine 0800er-nummer darueber informieren, dass die sache finanziell und kommunikativ nicht gut ausgehen wird. nein. keine geschriebene information. kostenlose telefonische auskunft ueber die anfallenden gebuehren bei telefonauskunft.

wenn die erfinder dieses verderblichen labyrinths wuessten, was sich sich meinetwegen GAANZ tief wohin schieben koennen.

komme mir keiner mit "handy kaufen".

theo bromin

glueck durch chemie

Benutsertsuschdand

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